1.     Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen?                                        

 

1.1 Definition und Abgrenzungen

1.1.1 Definition Jugendsozialarbeit an Schulen

 

JaS ist eine Leistung der Jugendhilfe in der Institution Schule, die

auf der Grundlage des § 13 Abs.1 SGB VIII erfolgt: „Jungen Menschen,

die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur

Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße

auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe

sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische

und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt

und ihre soziale Integration fördern.“

 

Schule ist ein geeigneter Ort, an dem die Jugendhilfe mit ihrem

Leistungsspektrum frühzeitig und nachhaltig auf junge Menschen

einwirken und auch Eltern rechtzeitig erreichen kann.

 

JaS soll helfen, soziale Benachteiligungen auszugleichen und individuelle

Beeinträchtigungen zu überwinden. Ihr Ziel ist die Förderung

der Kinder und Jugendlichen um deren Entwicklung zu einer

eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu

unterstützen. Durch den Einsatz von sozialpädagogischem Fachpersonal

schafft die Jugendsozialarbeit ein niederschwelliges Angebot an der Schule.

 

Als Zielgruppe richtet sich JaS an junge Menschen,

– die durch ihr Verhalten, insbesondere durch erhebliche erzieherische Probleme,

– durch psychosoziale und familiäre Probleme,

– durch Schulverweigerung und/oder

– durch erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft auffallen,

– deren soziale und berufliche Integration aufgrund von individuellen

und /oder sozialen Schwierigkeiten sowie aufgrund eines

Migrationshintergrunds erschwert ist.

 

JaS arbeitet mit folgenden Maßnahmen und Methoden:

– Beratung von jungen Menschen mit dem Ziel ihre Kompetenzen

zur Lebensbewältigung in Schule, Ausbildung und Beruf zu stärken,

– Unterstützung beim Erwerb insbesondere von sozialen Kompetenzen

und Arbeitstugenden,

 

– Unterstützung bei der Befähigung zur Konfliktbewältigung,

– Soziale Gruppenarbeit, Anti-Aggressionskurse, Schülerstreitschlichterprogramme etc.,

– Beratung von Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten mit

dem Ziel, sie bei der Lösung innerfamiliärer Probleme sowie bei

Konflikten im sozialen Umfeld zu stärken bzw. zu unterstützen,

– Vermittlung von Kontakten, Vernetzung und Koordination mit

anderen Einrichtungen wie z.B. Sozialen Diensten des Jugendamts,

Erziehungsberatungsstellen, schulischen Beratungsdiensten,


Suchtberatungsstellen, Kinder- und Jugendpsychiatrie,                        

Agentur für Arbeit, Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der

offenen und verbandlichen Jugendarbeit, Justiz und Polizei.

 

JaS erbringt folgende Leistungen:

– Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit zwischen Jugendsozialarbeit

und Schule, wobei insbesondere eine Klärung der jeweiligen

Aufgaben sowie der Rollenerwartungen erforderlich ist,

– sozialpädagogische Diagnostik zur Ermittlung von Hilfebedarfen

junger Menschen,

– Klärung und Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten

in der Schule, mit Lehrkräften, Mitschülerinnen und Mitschülern,

zu Hause mit den Eltern, anderen Erziehungsberechtigten,

Geschwistern und im sozialen Umfeld,

 

– Zusammenarbeit mit Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten

z.B. durch Einzelgespräche, thematische Elterngesprächsrunden,

Hausbesuche, Vermittlung und Begleitung des Kontakts

mit Lehrkräften und mit den Fachkräften und Diensten der Jugendhilfe,

– Förderung, Verbesserung, Stabilisierung der Entwicklung und

sozialen Integration von jungen Menschen,

– Anregung von ergänzenden oder weiterführenden Maß-

nahmen/Hilfen, unter rechtzeitiger Einschaltung der Sozialen

Dienste des Jugendamts oder des Allgemeinen Sozialdienstes

(ASD), wenn sich ein Hilfebedarf nach §§ 27 ff. SGB VIII oder

§ 35 a SGB VIII abzeichnet,

– Mitwirkung bei der Aufstellung, Durchführung und Überprüfung

des Hilfeplans gemäß § 36 SGB VIII,

– Kooperation mit allen regional wichtigen Institutionen und Einrichtungen,

– Dokumentation der Tätigkeit und der Ergebnisse.

 

Aufgabe der JaS ist es nicht, Tätigkeiten zu übernehmen, die in den

Schulordnungen und der Lehrerdienstordnung zu den Pflichten der

Lehrkräfte (z.B. Unterricht, Pausenhofaufsicht) oder zu anders definierten

Aufgabenbereichen (z.B. Mittags-, Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung) gehören.

 

JaS ist zwischen Familie und Schule verortet. Sie ermöglicht im Einzelfall schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort und in Zusammenarbeit mit anderen Bereichen.

 

1.1.2       Abgrenzungen

1.1.2.1  Jugendarbeit

 

Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII richtet sich mit seinen Förderangeboten

an alle jungen Menschen: Sie soll an den Interessen junger

Menschen anknüpfen, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet

werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und sie zur gesellschaftlichen

 

Mitverantwortung, zu sozialem Engagement anregen und hinführen. Dabei wird bei den jungen Menschen die Fähigkeit vorausgesetzt, solche freiwilligen Angebote der Selbstbestimmung, Mitverantwortung und des sozialen Engagements auch wahrnehmen zu können.

 

Neben der Vielzahl an Freizeitangeboten wie beispielsweise in Jugendzentren, werden in der Jugendarbeit auch Angebote für Schülerinnen

und Schüler in der unterrichtsfreien Zeit wie Schülercafés

oder themenspezifische Gruppenangebote zugeordnet.

 

Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII unterscheidet sich damit wesentlich

von der Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII. Diese hat unter

der Zielsetzung der sozialen Integration vornehmlich dann sozialpädagogische

Hilfen zur Verfügung zu stellen, wenn das Ergebnis

allein mit den Mitteln der Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII

nicht zu erreichen ist.

Die Kriterien der sozialen Benachteiligung, der individuellen Beeinträchtigung

und des erhöhten sozialpädagogischen Unterstützungsbedarfs

nach § 13 SGB VIII sind bei der Einführung von JaS

sowohl durch die Situationsanalyse der Schule und ihres Einzugsbereiches,

als auch im Einzelfall durch die jeweilige sozialpädagogische

Diagnose zu belegen.

 

 

Quellenbezug aus:

„ Handbuch zur Jugendsozialarbeit an Schulen“, Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Frauen.

 

   

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